Stauden auf dem Friedhof

Stauden auf dem Friedhof

Früher sah es auf (norddeutschen) Friedhöfen meist so aus: 
Punktuelle Bepflanzung mit Koniferen, einige Trittsteine, viele Sommerblumen, viel schwarze Erde, viel zu jäten und zu gießen – viel zu pflegen.
Es wurde 3 x im Jahr der Wechselflor ausgetauscht: im Frühjahr Stiefmütterchen – im Sommer Eisbegonien – zum Herbst Heide.
Es gibt spezielle Graberde, die durch Kohlezugaben besonders schwarz ist und allein der Zierde dient. Über Winter werden die Flächen mit Tannenreisig abgedeckt. Verbreitet waren auch Flächen mit Kiesel- oder Splitbelag und einigen Blumentöpfen drauf.

Heute soll es pflegeleichter, günstiger und ökologischer sein, außerdem gibt es einige Alternativen zur klassischen Erdbestattung: 
Urnengräber, Gemeinschaftsgräber, Ruheforste und Seebestattungen.
Zusätzlich fordern die immer trockeneren Sommer immer höheren Gieß-Aufwand, auch darauf möchte manche*r verzichten.

Alternativ zur herkömmlichen Bepflanzung können auch auf dem Friedhof Stauden eingesetzt werden. Stauden symbolisieren mit ihren Blüten das Leben und mit ihrem Einziehen im Herbst den Tod. 
Das Schöne an Stauden ist, dass sie unkompliziert immer wiederkommen und zum Teil auch relativ lange blühen. 
Grundvoraussetzung für die Verwendung von Stauden ist immer, dass der Standort stimmt. Schattenstauden werden in der Sonne nicht zufriedenstellend wachsen und auch auf die Bodenansprüche der Pflanzen, die Sie verwenden möchten sollten Sie achten.
Das gilt für Gehölze und Sommerblumen aber genauso, und ist sowieso der wichtigste Aspekt, wenn es um Pflanzungen geht.

Ansonsten sind Stauden dankbar und robust, sie sind per Definition mehrjährige krautige Pflanzen, die meist unterirdisch überwintern. Auf dem Friedhof wird man sich gern im Sortiment der wintergrünen oder immergrünen Stauden umsehen. 
Wintergrüne Pflanzen behalten ihr Laub über Winter und stoßen es zum Frühjahr kurz vor dem erneuten Blattaustrieb ab, sind also immer grün, behalten die selben Blätter jedoch nur eine Saison. Beispiele hierfür sind Waldsteinien oder Christrosen.
Immergrüne dagegen behalten ihre Blätter oder Nadeln über mehrere Jahre. 

Enger pflanzen

Eine Grabstätte soll, wenn sie einmal bepflanzt worden ist gleich ansprechend aussehen. Anders als im heimischen Garten werden die Pflanzen dichter gesetzt, die Fläche soll ja möglichst gleich „fertig“ sein. Im Garten pflanzt man so, dass die Pflanzung sich entwickeln darf, auf dem Friedhof soll es von Anfang an eingewachsen wirken.

Auf dem Friedhof sind die Stauden besonders als Bodendecker beliebt. Aber auch als Einfassungen können Gamander, Lavendel oder Thymian verwendet werden. Schöne Staudenpflanzungen auf einzelnen Gräbern und auf Gemeinschaftsflächen sieht man immer öfter.

Bodendeckende Stauden für die Grabbepflanzung

Die Ansprüche an Bodendecker sind

  • Flächen schnell und dicht zu schließen
  • keine Lücken zu machen, nicht von innen zu verkahlen
  • auch nach Jahren noch dicht und gut auszusehen

Niedrige Stauden können Pflanzenteppiche bilden und schützen die Oberfläche der Grabstätte, indem sie die Erde zusammenhalten und ein schnelles Austrocknen verhindern. 

Einige Beispiele für gute Bodendecker:

Für sonnige Standorte

  • Acaena buchananii  und microphylla – Stachelnüsschen
  • Alchemilla erythropoda – Kleiner Frauenmantel
  • Antennaria dioca – Katzenpfötchen
  • Cotula squalida – Fiederpolster
  • Dryas suendermannii - Silberwurz
  • Festuca cinerea - Blauschwingel
  • Geranium cinereum ‘Ballerina‘ - Storchschnabel
  • Geranium x cantabrigiense in Sorten - Storchschnabel
  • Herniaria glabra - Bruchkraut
  • Iberis sepmbervirens in Sorten - Schleifenblume
  • Potentilla crantzii ‘Goldrausch‘ - Fingerkraut
  • Potentilla neumanniana - Fingerkraut
  • Sagina subulata - Sternmoos
  • Sedum in Sorten – Mauerpfeffer, Fetthenne
  • Thymus serpyllum Sorten – kriechender Thymian
  • Veronica spicata ‘Blauteppich‘ - Ehrenpreis

Für halbschattige Standorte:

  • Alchemilla erythropoda – Kleiner Frauenmantel
  • Bistorta affinis – Scheckenknöterich
  • Epimedium-Sorten - Elfenblumen
  • Geranium x cantabrigiense in Sorten - Storchschnabel
  • Lysimachia nummularia - Pfennigkraut
  • Pachysandra terminalis – Dickmännchen, Ysander
  • Saxifraga x urbium - Porzellanblümchen
  • Tiarella cordifolia - Schaumblüte
  • Vina minor in Sorten – Immergrün
  • Waldsteinia ternata - Golderdbeere

Baumscheiben

Für Baumscheiben - die Flächen rund um den Stamm - haben Friedhofsgärtner gute Erfahrungen mit verschiedenen Storchschäbeln (Geranium), flachem Schnecken-Knöterich (Bistorta affinis), Beinwell (Symphytum) und Elfenblumen (Epimedium) gemacht. Gerade Elfenblumen sind zauberhafte Bodendecker, wintergrüne Pflanzen bei denen es wichtig ist, im zeitigen Frühjahr rechtzeitig zurückzuschneiden, damit die Blüten zur Geltung kommen.
Nicht so gut funktioniert Gedenkemein (Omphalodes verna), das mag nicht so trocken stehen, wie es auf Baumscheiben nun mal häufig ist.

Urnengemeinschaftsgräber

Es gibt auf den Friedhöfen einen Trend zu Feuerbestattungen und damit zu Urnengräbern. In Urnengemeinschaftsgräbern werden auf attraktiv gestalteten Flächen relativ viele Urnen untergebracht. Die Namen der Verstorbenen werden auf schönen Grabmalen angebracht.  Für diese Art der Grabfläche braucht es Bodendecker, die wie eine Grasnarbe abgestochen werden können und dann als ganze Sode wieder aufgesetzt werden.
Dafür eignen sich die oben genannten und auch Sonnenröschen (Helianthemum) sind prima für sonnige Standorte geeignet, die liebe ich ohnehin, weil sie so lange blühen und so schön wachsen.  Auch Dryas suendermannii (Silberwurz) macht sich gut auf sonnigen, eher mageren Standorten.

Einfassungen

Einfassungen aus Pflanzen geben der Pflanzung einen schönen Rahmen. Das muss nicht immer Buchsbaum sein.
Für sonnige Gräber können Lavendel, Heiligenkraut (Santolina), Gamander (Teucrium). Katzenminze (Nepeta), kompakte Steppensalbei (Salvia nemorosa) oder Berglauch (Allium senescens) verwendet werden. Im eher schattigen Bereich sind die buntlaubigen Purpurglöckchen (Heuchera-Sorten) oder auch die Japan-Segge geeignet.

Einfassungen sollten gut gepflegt sein, damit sie nicht überhand nehmen und ihrer Aufgabe als Abgrenzung gerecht werden.

Stauden auf dem Friedhof 

Auf kleinen Flächen können in einen Pflanzenteppich aus Bodendeckern vereinzelt oder in Gruppen höhere Stauden gepflanzt werden. Schön ist es, die Lieblingspflanzen des Verstorbenen dort zu verwenden, wenn es der Standort zulässt. 

Wer eine größere Fläche zu bepflanzen hat, kann eine Grabstelle wie ein Staudenbeet bepflanzen. Höhere Stauden als Gerüstbildner, Dauerblüher in kleineren Gruppen und Bodendecker um die Flächen zu schließen. Dazwischen Gräser als eingestreute Akzente und natürlich Zwiebelblüher für den Herbst und das Frühjahr.

Der Friedhof in Neumünster in Schleswig-Holstein ist eine Besichtigung wert: Die dort gestalteten Urnengemeinschaftsgräber haben den Charakter einer Gartenanlage mit vielen Sitzgelegenheiten, beeindruckenden Staudenpflanzungen, Kunstobjekten und einer genialen Blumenzwiebelauswahl. Im Frühsommer ist das natürlich besonders schön, doch auch im Herbst erzählen die abgeblühten Blütenstände von Schönheit und Vergänglichkeit.

Auf der Nordseeinsel Amrum gibt es einen Friedhof, auf dem sich Stauden wie Lupinen und Margeriten auf den Gräbern aussäen dürfen. Sie bilden im Sommer leuchtende Farbkleckse zwischen den dort sonst vorherrschenden Rosen und Hortensien. Dieser wildhafte Charme gefällt vielleicht nicht jedem, vermittelt für mich jedoch Leichtigkeit und (gerade auch auf dem Friedhof) Lebensfreude.

Zwiebelblumen

Sie sind die Glücksbringer im Frühling, weil sie vom Ende des Winters künden. Und sie verschwinden unter dem Laub der anderen Pflanzen, wenn sie ausgeblüht sind. Auf Zwiebelblüher kann und sollte man niemals verzichten und erst recht nicht bei der Grabbepflanzung. Tuffs kleiner Tulpen oder fröhlicher Narzissen, ganz frühe Schneeglöckchen, Schneestolz, Blausternchen oder Krokusse – ohne sie geht es gar nicht.
Und für den Herbst sind je nach Standort herbstblühende Krokusse wunderbar zwischen Bodendeckern aufgehoben und bringen noch spät im Jahr das Leuchten mit. Herbstzeitlose sehen ähnlich aus, werden aber noch größer – Insektennahrung sind beide.

Pflege

Auf dem Friedhof besteht ja der Anspruch, dass das Grab immer gut aussieht. 
Eine Nährstoffgabe sowie der Rückschnitt der nicht wintergrünen Stauden im Frühling und gelegentliche Kontrolle auf unerwünschte Wildpflanzen gehören dazu. 
Bei standortgerechter Pflanzung sollte das Gießen nicht allzu häufig nötig sein. Und lassen Sie gerne mal Abgeblühtes stehen, sich Samenstände entwickeln, die Schönheit des Vergänglichen wird Sie verzaubern.

Wichtig bei all den flachen bodendeckenden Stauden ist, dass das Falllaub von den Polstern entfernt wird. Dafür eignet sich ein Laubrechen gut.

Fazit

Stauden sind unglaublich vielseitig und es findet sich für jede Grabstelle eine passende Auswahl, die funktioniert, Freude macht und zu dem Menschen, an den man sich erinnern möchte passt. Sie lassen sich mit Gehölzen und Wechselbepflanzung kombinieren und sind pflegeleicht und ökologisch wertvoll.

Gerade in Zeiten des Klimawandels können schön bepflanzte Friedhöfe mit ihren meist alten Bäumen attraktive Orte werden. Vielseitige Staudenpflanzungen erhöhen die Aufenthaltsqualität und laden ein, den Friedhof wie einen Park zum schattigen Spaziergang zu nutzen.

Tags: Stauden, Friedhof

Die mit einem * markierten Felder sind Pflichtfelder.