Was Sie schon immer über Saatgut und Aussaat wissen wollten

Im Winter ist eine der größten Freuden für Gartenbegeisterte, auf dem Sofa zu sitzen und im Warmen zu überlegen, was im noch jungen Jahr ausgesät werden möchte. 

Es macht Spaß, sich einen Samenkalender anzulegen und zu planen, damit die Tomatenpflanzen nicht zu früh und die Wicken nicht zu spät fertig sind.

Zur Haltbarkeit von Saatgut

Jetzt sollte man durch seine Saattüten gucken, und nachsehen, was noch da ist. Was noch gut ist und was dringend besorgt werden muss.
Auf den Saatguttüten unserer Produzenten sind oft Mindesthaltbarkeitsdaten abgedruckt. Aber ist dieses bei einer Tüte in Ihrem Keller bereits überschritten, so heißt das noch lange nicht, dass hier nichts mehr keimt! Vielmehr lässt die Keimfähigkeit meist langsam nach – aus 100 % Keimfähigkeit werden nach vier Jahren beispielsweise 87 %. Machen Sie eine Keimprobe oder säen Sie einfach aus in gutem Wissen, dass immer noch genügend Samenkörner aufgehen werden. Möhrensaatgut ist bei dunkler, kühler Lagerung z. B. mindestens drei Jahre bei voller Keimfähigkeit lagerbar. Daher lassen sich hier großzügig ruhig mehrere Sorten einkaufen, so dass ein Vergleichsanbau gestartet werden kann. Duftwickensaat übersteht Lagerung auch bei warmen Temperaturen sogar mehr als zehn Jahre, ohne an Keimfähigkeit zu verlieren.

Innere Ordnung:

Es ist wie mit den Gewürzen im Schrank: Man nimmt immer die Vorderen und vergißt, was hinten noch alles steht - so kommt es dazu, dass bei mir im Gewürzschrank mindestens 7 Dosen mit edelsüßem Paprika stehen...  Damit das mit der Saat nicht auch passiert, ist es schlau, sich eine Methode der Sortierung zu überlegen:
Schön ist es, Samen in Schuhkartons aufrecht hinzustellen oder in Fotoalben, Klarsichhüllen oder Rezeptboxen.
Samen können nach Blumen/Kräuter/Gemüse sortiert werde und dann nach Alphabet oder auch nach Verfallsdatum.

Eine andere Art, Samen zu sortieren ist nach Aussaatmonat. Das finde ich eigentlich ganz klug, besonders bei Gemüse, das zu unkonventionellen Zeiten ausgesät werden soll. So gerät nichts in Vergessenheit, man denkt auch daran, dass man endlich mal im August noch mal Erbsen nur für die grünen Triebe aussäen wollte - wenn man allerdings etwas sucht, ist das vielleicht nicht die allerpraktischste Lösung....
Da wird sicher jede/r Gartenbesitzer/in die optimale Sortiermethode für sich selber finden.

Wichtig ist es, die Samen kühl, trocken und dunkel zu lagern. An sehr luftfeuchten Orten kann man Samen in Tüten auf Silika-Gel oder Reis aufbewahren, um überschüssige Feuchtigkeit aufzusaugen.

 

Saatgut und Aussaat

Was bedeutet die Zusatzbezeichnung “F1”?

Sorten mit der Zusatzbezeichnung F1 z. B. der Kürbis “Early Butternut F1” entstehen, indem Saatgut von einer Mutterpflanzensorte geerntet wird, die von einer bestimmten Vaterpflanzensorte bestäubt wurde. Dabei ist meist viel Handarbeit notwendig, was den z. T. erheblich höheren Preis erklärt. Dabei werden die Elternsorten so ausgewählt, dass in den entscheidenden Merkmalen (Geschmack, Resistenz gegen Krankheiten, Wuchsleistung, Fruchtgröße usw.) einheitliches Saatgut entsteht. Es handelt sich dabei allerdings nicht um genmanipuliertes Saatgut! F1-Saatgut hat den Nachteil, dass Saat, die Sie später von den Früchten in ihrem Garten ernten, bei der Aussaat nicht mehr einheitlich ist und die Merkmale der Elternarten aufspaltet. F1-Saatgut ist also nicht sortenfest.

Unsere goldenen Regeln zur Aussaat

Saatgut, das von unseren Saatgut-Lieferanten angeboten wird, keimt unter günstigen Bedingungen sehr zuverlässig. Aber für diese Bedingungen müssen Sie sorgen! Lesen Sie daher die Rückseite der Tüte aufmerksam und halten Sie sich unbedingt an die Angaben – manches ist dabei nur in Piktogrammen erläutert.

Der richtige Zeitpunkt

Das Aussaatjahr beginnt mit den sogenannten ‚Kaltkeimern’, das sind die Pflanzen, die zur Keimung eine Kälteperiode brauchen. Wenn der Winter zu mild ist, keimen sie in der Natur auch nicht und der Gärtner sollte sie entweder gleich nach der Ernte oder im Januar/Februar  aussäen und draußen in die Kälte stellen. Zu diesen gehören z.B. Eisenhut, Süßdolde, Akelei.

Manche Pflanzen wollen erst warm und dann kalt stehen, es empfiehlt sich, die Aussaathinweise auf den Tüten ernst zu nehmen. 

Andere Pflanzen brauchen Wärme zum Keimen.  Viele von diesen werden ab Februar auf der Fensterbank vorgezogen und dann ab Mitte Mai (nach den Eisheiligen) in den Garten gepflanzt.  So tut man es z.B. mit Tomaten und Kürbissen, Wicken oder Kapuzinerkresse.


Immer wieder erzählen mir Gartenbesitzer von ihren Misserfolgen, gerade mit Wicken, die direkt an Ort und Stelle gesät wurden.  Das ist aber auch ganz schön hart für so ein Wickenkind.  Stellen Sie sich vor, im April draußen ausgesät zu werden und dann gibt es lange Trockenperioden, sengende Sonne, vielleicht schüttet es manchmal und spült die Saat noch durch die Gegend.  Und dann die Schnecken, die sich gerne über so ganz kleine Pflänzchen hermachen!  Nein, das Vorziehen lohnt sich auf jeden Fall, dann setzen Sie dicke, kräftige Pflanzen raus, die können eine ganze Menge mehr ab und außerdem blühen sie deutlich früher!

Auch die Mengenangaben auf den Tüten sollte man ernst nehmen:  Gerade bei Tomaten hat man gerne mal schnell 50 Jungpflanzen pro Sorte und wer soll das nachher alles essen – zumal man natürlich auch gerne mindestens 7 verschiedene Sorten kultivieren möchte!  Da hilft nur rigoroses Aussortieren, die Schönsten bleiben, der Rest kommt weg (oder man verschenkt sie an den Nachbarn!)

Auf die Aussaaterde achten

Die Erde, das Substrat, in welches ausgesät wird, soll unbedingt unkrautfrei und nicht aufgedüngt, also arm an Nährstoffen sein.  Es gibt gute Aussaaterden im Handel.
Zu viele Nährstoffe schaden kleinen Sämlingen, später allerdings sollten gekeimte Pflanzen dann auch mit einer bestimmten Größe aus dem nährstoffarmen Substrat heraus in gedüngte Erde gesetzt werden.  
Diesen Arbeitsschritt nennt man pikieren.  Dabei wird der Sämling vorsichtig an den Keimblättern aus der Aussaaterde gehoben und bis zu den Keimblättern in gute Kulturerde gesetzt.  Das Hilfsmittel hierfür ist der Pikierstab, mit dem man die Erde lockert oder das Loch für den Sämling in den neuen Topf bohrt.
Viele Sorten kann man in großen Töpfen oder Aussaatschalen aussäen und später pikieren.  So machen wir das mit Tomaten und Chillies.  

Es gibt aber auch die Möglichkeit, sich mit Hilfe eines Paper Potters (einer Art Holzstempel) aus altem Zeitungspapier kleine Anzuchttöpfe herzustellen und dort hinein zu säen.  Die Keimlinge werden dann später mit dem Papiertopf in einen größeren Topf oder ins Freiland gepflanzt. Das geht gut für Kürbisse, die machen so große Keimblätter, dass es ihnen mit anderen zusammen schnell zu eng in einer Keimschale wird.

Für Nässe sorgen

Ein Samenkorn muß immer erst quellen, bevor es keimen kann.   
Deshalb gießt man Aussaaten an, damit es dann losgeht. Manche Samen, wie z.B. die der Duftwicken sollte man sogar über Nacht in Wasser einweichen, bevor man sie aussät.

Wenn man begonnen hat, seine Aussaaten zu gießen, dann sollte man auch dabei bleiben, denn ganz frische Keimlinge vertrocknen schnell.  
Das Gießen sollte mit einer zarten Brause und nicht mit fettem Strahl geschehen und vorsichtig und nach Bedarf.  Wenn die Sonne scheint, wird mehr gegossen, als bei bedecktem Wetter.  Aber so was hat man nach einer Weile im Gefühl, es darf nur nicht vergessen werden!

Es gibt spezielle Ballonbrausen, die zum Sämlinge-gießen wunderbar geeignet sind, das sind so Gummibälle mit einer feinen Brause dran.  

Die richtige Temperatur

Salat und Möhren keimen bei zu hohen Temperaturen nicht mehr – für Möhren liegt diese Maximaltemperatur bei 18° C, bei Salat liegt diese bei 20° C. Salatsaat lässt sich für sommerliche Nachsaaten überlisten, indem man abends aussät und die kühlen Nachttemperaturen nutzt. Die Keimhemmung durch zu hohe Temperaturen hält bei Salatsaatgut etwa 6 Stunden an (gerechnet ab Quellung der Saat).

Aussaaten ausschildern

Aussaaten – vor allen Dingen solche, bei denen nicht gleich etwas passiert – müssen unbedingt gut ausgeschildert werden. Dafür sind die Saatguttüten genauso geeignet, wie professionelle Etiketten. Auf das Etikett gehören immer eine Bezeichnung und der Aussaattermin.

Gärtner brauchen Geduld

Manche Saaten liegen nach der Aussaat recht lange (wie lange, steht auf der Tüte). Petersilie (Petroselinum crispum) wird beispielsweise nachgesagt, dass die Saat nach der Aussaat zunächst zum Papst nach Rom reisen muß, um sich die Keimung genehmigen zu lassen. Das dauert in der Regel sechs Wochen!

Umsichtig umsetzen

Manche Jungpflanzen lassen sich nicht ohne weiteres verpflanzen, da sie Störungen im Wurzelbereich nicht vertragen. Auf der Saatguttüte steht dann meist: “An Ort und Stelle aussäen!” Viele Vertreter aus der Familie der Mohngewächse verhalten sich so. Kalifornischer Mohn (Eschscholtzia), Klatschmohn (Papaver rhoeas), Orientalischer Staudenmohn (Papaver orientalis) und Scheinmohn (Meconopsis) zählen zu diesen Kandidaten. Die günstigen Arten sät man sehr dünn an Ort und Stelle aus und vereinzelt sie bei Bedarf, da sich die Pflanzen sonst im dichten Gedränge nur zu Kümmerformen entwickeln.

Schnecken niemals unterschätzen

Schnecken sind leider Gourmets und bevorzugen zarte Jungpflanzen. Alle Aussaaten sollten daher gegen Schneckenfraß geschützt werden. Solche Pflanzen, die im Beet von Schnecken gemieden werden, sind auch in Form ihrer Keimpflanzen ziemlich immun – aber leider ändern Schnecken offenbar manchmal ihre Vorlieben. Auch Sonnenblumen und Sonnenhüte stehen auf ihrem Lieblingsspeisezettel – am besten pflanzt man hier erst solche Pflanzen ins Beet, die bereits an der Basis verholzte Stiele haben und bei denen die raue Behaarung schon voll entwickelt ist. Das klingt zwar mühsam, erspart aber die bittere Enttäuschung nach einem nächtlichen Schnecken-Überfall.

Die Qual der Wahl bei der Saatgut-Bestellung

Mitten im Winter planen wir Gärtner schon mit Freude, was das bevorstehende Gartenjahr uns bringen soll. Aber wie schwer ist es immer wieder, sich dabei für die entsprechenden Saaten zu entscheiden! Die Staudengärtnerei Bornhöved hat Ideen für Sie gebündelt und handverlesenen Saat-Sortimente zu verschiedenen Themenbereichen zusammengestellt.

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